Prix Ars Electronica
From Unsereuni
"Unibrennt" wurde von der Ars Electronica eingeladen, für den Preis der Kategorie 'digital communities' einzureichen. (siehe Einladungsemail unten)
Via wiki, twitter, facebook hat sich eine Gruppe gefunden, die die Einreichung ausgearbeitet und kurz vor Deadline auch abgeliefert hat. Die Organisation der abzuliefernden Texte, Links, Dateien usw. wurde hier über das Wiki koordiniert.
Der Weg zu den Einreichungstexten und Materialen sowie die Einreichungstext "Endfassung" findet sich auch hier im Wiki, abgegeben wurden die Texte in Deutsch und Englisch.
Am 17. Mai 2010 werden die Gewinner der Prix Ars Electronica in einer Pressekonferenz in Linz bekannt gegeben.
Wir haben kurzfristig ein "Einreichungs- und Danksagungsvideo" nachgeschoben.
Contents |
[edit] Einladung von der Ars, einzureichen
Ich habe heute dieses Mail bekommen und sehe als als gute Möglichkeit den Protest wieder etwas weiterzutragen und zukünftige Bewegungen zu inspirieren. Jedoch will ich weder irgendwas für mich beanspruchen, noch das Geld haben. Hier werde ich über die weiteren Entwicklungen berichten und hoffe auf Mitstreiter.
Direkt in Kontakt mit mir könnt ihr via unsereuni |at) 2-blog.net treten.
Hier das Mail:
Dear Luca, “Unibrennt” has been nominated in this year’s Prix Ars Electronica in the category Digital Communties. Therefore, I would like to encourage you and your team to participate with this project. The category "Digital Communities", which met with great interest and participation in the last years, will be awarded again by Prix Ars Electronica in 2010. The Digital Communities category is open to political, social and cultural projects, initiatives, groups and scenes from all over the world that display contentious commitment in coming up with smart, successful ways of deploying digital technologies to solve social problems. Particular emphasis is placed on a project’s degree of community innovation, its sustainability and its use of technology in a way that makes good sense and is attuned to the needs of the people meant to benefit from it. Digital Communities projects should make it easier for people to access technology, networks and the Digital Commons. We explicitely encourage community-related net.art projects to submit. For a detailed description of the category and about Prix Ars Electronica in general, please see our website: http://www.aec.at/prix_categories_en.php?cat=Digital%20Communities Prizes One Golden Nica with 10,000 Euro, two Awards of Distinction with 5,000 Euro each and up to 12 Honorary Mentions will be awarded by the jury. The deadline for submissions is March 5, 2010.
[edit] Text auf ARS-Homepage
Einleitungstext auf der ARS-Homepage zur Kategorie digital communities:
Die Kategorie "Digital Communities" berücksichtigt die weit reichenden gesellschaftlichen Wirkungen des Internet ebenso wie die aktuellsten Entwicklungen im Bereich von Social Software, User-generiertem Inhalt, mobiler Kommunikation, Mash-Ups und ortsbezogenen Services. Bei "Digital Communities" geht es um Innovation im menschlichen Zusammenleben, um die Überbrückung des geografisch, aber auch Gender-bedingten "Digital Divide"; es geht um die Überwindung kultureller Konflikte, um Fragen kultureller Diversität und die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks. Berücksichtigt werden auch Projekte, die die Praxis des Teilens (Sharing) und die Herausbildung einer „Cloud Intelligence“ fördern und die Zugänglichkeit technologisch-sozialer Infrastrukturen verbessern. "Digital Communities" würdigt das politische und künstlerische Potenzial digitaler und vernetzter Systeme und spricht damit ein breites Spektrum von Projekten, Kunstwerken, Programmen, Initiativen und Phänomenen an, in denen soziale und künstlerische Innovation gewissermaßen in Echtzeit stattfindet. 2010 werden in der Kategorie "Digital Communities" eine Goldene Nica, zwei Auszeichnungen und bis zu 12 Anerkennungen verliehen.
weiterführend hier digital communities kategorie
[edit] Team
- alle an den Protesten beteiligten Studierenden! <-- Namen löschen und dies hinschreiben ist zwar "politisch korrekt", jedoch nicht sehr zielführend, wenn sich ein Team finden muss, um zu präsentieren. Wer Interesse hat, bitte ASAP Namen eintragen und an die oben angeführte Email-Adresse mailen!
- Luca Hammer
- Michael Horak
- Dominik Gubi
- Georg Schütz
- Superbertram
- hc voigt
- Walter Palmetshofer
- Anna László
- caferina
- julia hemmelmayr
... und viele mehr
[edit] Zu informierende Personen
Facebook Team Website Team Twitter Team Wiki Team
News auf unsereuni.at
[edit] Diskussion, Offene Punkte, Fragen
- Erstes Treffen: Mittwoch, 3. März, 11:00 Uhr - Cafe Votiv Wien
Protokoll vom 3.3.2010:
cloud des wissens, wiki-smmlung, keine koepfe, instant-wissen #tag
metanetzwerk, vernetzung ueber div. netzwerke, clustering kein protest 2.0 ->< adaeuquates einsetzen der moeglichkeiten autonom von etabl. medien. selbstverzerrer
was passierte: 2.0er kleiner teil nur,
riesenmenge an partizipatoren im wiki und dgl.
twitter ab std. 0
bildebene, wir sind das medium von uns.
arbeitslast verteilt sich dynamisch
arbeitsweise verbreitung berlin fb, ch fotos, usw..
vernetzung international eselsohr
unibrennt.tv onlinepetition
internationalisierung! herzeigebeispiel.
totale transparenz nach aussen-> livestream & die probleme dabei
pressespiegel!
mittwoch. schildburg...
movie twitter
- Wie kann #unsereuni repräsentiert werden?
- generelles Brainstorming
- dynamisch, basisdemokratisch (user = content), spontan
- im Bezug auf digital community
- tw open gov/ open data -- nicht nur fuer Beteiligte, sondern f auch oeffentlich (incl pos Beispiel, warum offene Strukturen nicht von Gegnern ueberrannt werden)
- Welche Teilbereiche sollen präsentiert werden?
- Wiki, online Petition, Infos über twitter & facebook, Web-Stream
neue wiki-Seite für Ausarbeitung der Ars_Einreichung.
[edit] Nuberle
Number Wordle mit div counts die d digitalen Input zeigen: max Auslastung Audimax, max & durchschn Streamzuschauer, Tage d Besetzung, Tweets (/Tag), FB-Friends, Petitionsunterschriften, Seitenaufrufe, Reichweite (tweets vs Print), Kommentare auf website, Minuten Video, eingebaute Eselsohren, Artikel bei Wordpress/ im Wiki, Blogbeiträge, über sms koordinierte Demonstranten, online übermittelte Solis anderer Unis, km2 der Besetzung weltweit, … (k.A. wie das am besten umgesetzt werden kann, stelle mir das so vor, dass immer groß d Zahl dasteht & darunter in d gl Schriftart steht was d Zahl bedeutet; aber auch wenn keiner mit der Wordle Visualisierung einverstanden ist - wäre auch als Prezi nice: je slide 1 Zahl + Text, als gesamt ergibts ein Wordle - irgendwie gehörts mMn visualisiert)
[edit] Vorschlag
"Plenum samt allen möglichen Elementen rundum durchspielen"
Schlage vor, die präsentation nicht als klassische präsentation sondern als - anführungszeichen - "performance" durchzuführen. Da könnte eine art drehbuch helfen, aber nicht mit geschlossener aufführung sondern inklusive der vorbereiteten freistellen für interaktive beteiligung.
z.B.: auf der bühne setzen sich mal paar personen mit laptop in einen kreis und diskutieren das publikum ignorierend. allerdings bekommt das publikum mit, wie via laptop und beamer die "tagesordnungspunkte" entstehen. parallel setzt in anderer ecke der bühne jemand livestream auf, weitere person geht in den publikumsraum und stellt kamera auf. zwischen durch wird via twitterwall sowohl von der bühne als auch dem zuschauerraum als auch von außerhalb getweetet. erste fotos live aus zuschauerraum gehen online.
der ustream geht online während das plenumsprogramm kurz durchgesagt wird. es wird jemand zum protokollieren und jemand zum moderieren aus dem zuschauerraum gesucht. im chat des ustreams gehts los. als erster punkt des plenums gibt es einen bericht, in dem von der ausbreitung der bewegung berichtet wird (mit der google-map und allen möglichen elementen).
jemand kommt mit einer info reingerauscht und auf der bühne geht es kurz um etwas, das von außerhalb berichtet wird. alle sind am verbreiten via diverser kanäle.
irgendwo zwischendurch wird via twitterwall oder ustream-chat abgesetzt, dass gerade dringend hilfe im presseraum gebraucht werden könnte. jemand tweetet zurück, dass er/sie im plenum sitzt und gleich rüber kommen kann (person kommt auf bühne und übernimmt dort etwas).
usw. usw. usw.
- find ich gut eigentlich. da könnte man auch massig material von der doku ag einbauen um eine authentische atmosphäre zu erzeugen. aber es soll auf jeden fall die reichweite dann auch irgendwie dargestellt werden…
idee find ich auch gut, klassisch wär, dass wer auf Facebook schreibt, dass z.b. der Ton von Livestream oder Bild nicht ganz passt, wo die info über infopoint oder direkt an livestreamer geht. oder die große Frage in den ersten Wochen, was die vokü noch alles bräuchte *g*; wegen Reichweite, ev. lässt sich eine kurze Videokonferenz zu einem parallellaufenden "Treffen" an einem anderen Ort machen?! -c
[edit] Einreichung Vorlage
Titel / Name of Project*
Description of your project* What is your project about, who are the people involved and adressed.
Keywords
Web Address of the Project
Project Details (max. 3.000 characters per question)
Project History:* What was the project's origin, when and how did it start? How did it develop up to the present day? missing
- Political ignorance over years finally kicked off a spontaneous reaction of their customers… (Frage zu klären: wie weit ausholen, Akademie d Bildenden Künste & derer Motive als History Start?)
Objectives:* What is the objective of your project? What is the common goal, topic, interest, etc. of the community or the main uses of the software? missing
Team:* What is the core team carrying the project? How many (groups of) individuals are currently involved as members or users? How would you charaterize the people participating in the project? Is access to the project open or restricted? missing
Lessons learned: What has worked / what has not worked in the process of realisation of your project?
Software: If your submission is a software, please describe the problem it is answering to, what solutions and most important features it offers.
Statement of Reasons:* Why the submitted project deserves to win a prize in the "Digital Communities" category. missing
Planned use of prize money:*
- da hoeren die sicher gerne was Richtung Foerderung von digitaler Kommunikation in dem Bereich bzw Task force im Bezug auf Verwirklichung der Protestvorhaben?
[edit] Einreichung Zwischenstand
hier: Ars Einreichung
[edit] Einreichung final versions
Einreichung textversion ARS (deutsch lange Version): http://unsereuni.at/wiki/index.php/Ars_Einreichung_final_deutsch
Einreichung textversion ARS (deutsch Kurzfassung): http://unsereuni.at/wiki/index.php/Ars_Einreichung_final_deutsch_short
Einreichung textversion ARS (english): http://unsereuni.at/wiki/index.php/Ars_Einreichung_final_english
[edit] Sandbox
[edit] Nica winners 2004-2009
also see http://en.wikipedia.org/wiki/Prix_Ars_Electronica#Digital_Communities
- The World Starts with Me
- Wikipedia
- Akshaya
- canal*ACCESSIBLE
- Overmundo
- 1kg more Begründung
- HiperBarrio Begründung
[edit] JurorInnen 2010
- David Sasaki (US)
- Isaac Mao (CN)
- Beatrice Achaleke (AT)
- Tiago Peixoto (BR)
- Aram Bartholl (DE)
Advisory Board Christopher Adams TW Heitor Alvelos PT Navin Ashwin US Robert Bichler AT Stephen Coast US Peter Tomaz Dobrila SI Martin Ebner AT Michael Eisenriegler AT Helge Fahrnberger AT Cyrus Farivar US Carlos Gomez de llarena US Susan Hazan IL Andreas Hirsch AT Haitao Huang CN Mike Jensen ZA Boukary Konaté ML Mark Kramer US Peter Kuthan AT Andre Lemos BR Ronaldo Lemos BR Alessandro Ludovico IT Andrés Monroy-Hernández US Frederick Noronha BGL Jon Philipps US/CN Georg Pleger AT Georgia Popplewell TT Farid Pouya IR Ulrike Reinhard DE Chris Rettstatt US/CN Juliana Rotich UG TMS Ruge UG Michael Stadler AT Felix Stalder AT Tian Sun CN Mahir Yavuz TR Jiamin Zhao CN Ethan Zuckerman US Bektour Iskender KG Qiang Xiao US Thomas Turner AT Marisa Olson US
[edit] Nominees 2010 (Digital Communities)
Versuch eines Komplettauszuges von PrixArs @ Twitter
- jodi.org
- 4chan
- monochrom
- Software Livre Brasil
- Casa Brasil
- Cultura viva
- Canal contemporaneo
- Fora de eixo
- Núcleo de Estudos Agrários e Desenvolvimento Rural
- Espaço Cubo
- Indios online
- Player.vg
- http://tedtochina.com?
- http://www.observa.cl/?
- http://www.itsyourparliament.eu/?
- http://www.irekia.euskadi.net/en?
- http://www.nycservice.org?
- … (to be continued)
[edit] PARAPHRASIERUNG
vl. machen wir ein Video, wobei: NIE WERDEN DAS 3 MINUTEN, Vielleicht ein oder zwei Kapitel herausnehmen, weil wenn man NOCH mehr kürzt macht es gar keinen Sinn mehr....
und bitte irgendwer korrekturlesen... :-)
Projektbeschreibung
Unibrennt ist kein Projekt im eigentlichen Sinn, es ist ein Ereignis, das spontan und ungeplant passiert ist.
Ausgehend von den Nachmittagsstunden des 22. Oktober ist etwas explodiert, hat sich aus einem selbstorganisierten Chaos etwas herausgebildet, eine neue Form einer Bewegung.
Ohne die bei Projekten übliche Planung, ohne Projektmanagment, ohne vorab-Formulierung von Zielen, Ideen, ohne Budget und ohne Professionisten ist innerhalb kürzester Zeit etwas entstanden, das die Grundlage gebildet hat für eine bleibende Infrastruktur, für Organisationskapazität, für einen Vernetzungsgrad und auch gleich für ein Archiv darüber.
Schwer zu beschreiben ist und bleibt, was unibrennt denn eigentlich (alles) ist. Eine Protestbewegung. Eine außerparlamentarische Form der Selbstorganisation. Eine politische Manifestation eines – brennenden – gesellschaftspolitischen Interessenskonflikts.
Ein singuläres Ereignis, das in die Annalen der Geschichte eingehen wird, auch in die gesellschaftliche Geschichtsschreibung und zweifelsohne auch in die Annalen des web 2.0 und die Geschichte der Netzkultur.
Politische Aktion, soziale Bewegung und digital community
Neben den Besetzungen der Hörsäle, den Demonstrationen und den Berichten über die Geschehnisse der Protestbewegung konnten sich über die eigenen und autonomen unibrennt Medienkanäle die Menschen über die Ereignisse, Hintergründe und Forderungen informieren. Zehntausende haben sich über diese Kanäle aktiv beteiligt und die Bewegung mitgestaltet. Unibrennt erscahfft sich damit unmittelbar Raum in der Öffentlichkeit und plötzlich wird – auch international – Bildungspolitik zum omnipräsenten, relevanten und breit diskutierten Thema, und das in den Medien, auf der Straße und – im Netz. Diese Debatte erhält permanente Nahrung von den Brennpunkten des Protests; und diese sind in und rund um die besetzten Hörsäle ebenso zu finden wie im Netz auf diversen social network Plattformen, den Postingforen der Massenmedien oder der unibrennt-Homepage, dem Wiki und dem Livestream von unibrennt. Obwohl traditionelle Player an der unibrennt Bewegung das Fehlen zentraler Köpfe bemängeln, ist die Bewegung gerade durch die ubiquitous cloud so omnipräsent, dass sie weder von Politik noch von klassischen Medien ignoriert werden kann. Plötzlich wird Geld gesucht und gefunden und Minister Hahn wird nach Brüssel abgeschoben; das Ministerium damit ebenfalls kopflos und möglichst unangreifbar gemacht. Ein Bildungsdialog wird eingerichtet der nicht nur die basisdemokratischen Elemente der unibrennt Bewegung kopiert, sondern auch die Teilhabe und Partizipation über das Netz ermöglicht. Die von der unibrennt Bewegung gesetzten Standards werden auf den anderen besetzten Unis kopiert, dienen aber bald auch NGOs als Vorbild und sind teilweise sogar für Ministerien unausweichlich geworden.
Die politische Aktion als ubiquitous Cloud
Unibrennt ist kein web 2.0 Phänomen und kein Protest 2.0. Die Akteure der Bewegung sind eine untrennbare Verbindung und personelle Verquickung aus den BesetzerInnen der Hörsäle, die autonom und selbstverwaltet, nach basisdemokratischen Regeln leben; offen und selbstorganisert arbeiten und heterogen und vielschichtig aus den verschiedensten Gruppen zusammengeürfelt ist, auf der einen Seite und der als ‚digitale community‘ arbeitenden Gruppe auf der anderen Seite.
Von Beginn an werden Diskussionen und Abstimmungen übertragen, sind Laptops, Mobiltelefone und Digitalkameras omnipräsent, werden Daten via SMS, Email, Twitter, Livestreams, Chat und Aussendungen nach Außen getragen, weit massiver als über die „klassischen“ Medien. Social network Plattformen machen die Informationen verfügbar und frei zur weiteren Bearbeitung und Verbreiterung. Der Zugriff über WWW lädt jeden von überall aus zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Mitarbeit ein und kontinuierlich wird neue Information gespeichert, bearbeitet und viral verbreitet. Die unibrennt Bewegung ist so offen und allgegenwärtig wie das WWW selbst, laufend bemüht, Schnittstellen und landing pages für diverse Formen der Partizipation nicht nur anzubieten sondern auch User-freundlich zu gestalten.
Wissensmanagement, Organisationsentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit
Die ubiquitous cloud unibrennt, deren kollektives Gedächtinis auf den Speicherkapazitäten von social networks und Plattformen ebenso zu finden ist, wie beispielsweise auf privaten Blogs, Email-Körben, Google-Docs und natürlich der unibrennt homepage und dem unibrennt Wiki, zeichnet sich vorallem durch die dichte Vernetzung aller dieser web2.0 Strukturen zur Selbstorganisation aus. Wir haben es hier nicht mit web2.0 Evangelisten zu tun, sondern mit einer Bewegung, die mit ihrem ereignishaften Auftreten Mittel und Wege zu ihrer Selbstorganisation und Weiterentwicklung gesucht und gefunden hat und diese dann höchst effizient kollektiv gelernt hat.
(Emailkörbe werden eingerichtet, Passwörter regelmäßig getauscht, Dokumente über Google-Docs zugänglich gemacht; SMS-Listen für den Räumungsnotfall werden ebenso geshared wie Anleitungen zur Bedienung der Accounts und Plattformen. Im Wiki finden sich alle Daten der Arbeitsgruppen und sind damit für jeden einsehbar. Protokolle von Plena und Arbeitsgruppen werden live via Beamer übertragen, veröffentlicht und bearbeitbar gemacht. Ebenso werden Anträge, Berichte und Vorschläge der Arbeitsgruppen publiziert. Fernsehberichte, Grußbotschaften und Liveeinschaltungen von anderen Hörsälen werden übertragen. Über twitter, Chat und facebook werden Themen, temine und Links kommuniziert, kommentiert und weitergetragen. Auf Plattformen bilden sich Fanseiten, Foren, Pools. Die Accounts werden von einer Vielzahl von AdministratorInnen 24/7 bespielt. Blog spiegeln die Debatten und Entwicklungen wieder, dokumentieren sie graphisch und bildlich. Ein Eselsohr Plugin für Blogs ist im Wiki downloadbar, die an der Blogdemo teilnehmenden Seiten werden im Wiki verlinkt. Eine Blogparade dokumentiert die Blogeinträge zu unibrennt. Ergebnisse von Medienbeobachtungen werden gesammelt, strukturiert, abgelegt und dokumentiert. Eigene Presseaussendungen werden produziert und über die Kanäle an die Medien und online verbreitet. Fotos und Videos dokumentieren über den unibrennt flickr und youtube die Geschehnisse.)
Das Ereignis unibrennt emergiert überall. An den Hochschulen. Im WWW. Im Netzwerk, das zwischen den Brennpunkten der besetzten Hörsäle, der unterschiedlichen Arbeitsgruppen und den Brennpunkten auf Facebook, in der Blogosphäre und dem Wiki usw. immer dichter gespannt wird. Dieses Netzwerk ist das Ereignis. Die intensive breite und gleichberechtigte Beteiligung ist die Bewegung.
Autonomie, Kultur, Identität
Der Umgang mit den Möglichkeiten des Web 2.0 bringt auch eine neuartige Selbstbestimmtheit und eine Unabhängigkeit von Massenmedien und dem Goodwill der Presse und Redaktionen, von bestehenden Organisationen und vom Einfluss potentieller einzelner führender Akteure innerhalb der Bewegung. Die ,digital community‘ hat sich nicht nur selbst eine Verfassung gegeben sondern auch eine autarke Verwaltung aufgebaut. Aufgrund der hohen Medienkompetenz der ‚digital community‘ wird laufend hochqualitativer unique content in die Räume der ubiquitous cloud gestellt, der die unterschiedlichsten Gruppen abseits der kapitalistischen Medienlandschaft erreicht. Damit wurde eine stabile Gegenöffentlichkeit aufgebaut, die reichhaltige und vielseitige Geschichten erzählt und miteinander vernetzt. Die ubiquitous unibrennt cloud verwaltet damit das Erbe der Bewegung selbst und bestimmt damit auch die Geschichtsschreibung über unibrennt. Damit verbunden ist eine Kultur, die davon geprägt ist, dass einerseits auf eigenem Material gearbeitet wird, das unverzichtbar gebraucht wird um überhaupt arbeitsfähig zu werden, anderersteis sämtliche Arbeitsergebnisse umgehend zur Weiterbearbeitung freigestellt werden. Der damit verbundene Kontrollverlust über das selbst geschaffene festigt die Stabilität und Autonomie der gesamten ‚community‘. Die offene Kultur der basisdemokratischen Bewegung und ,digital community‘ bringt damit ein hohes Maß an Stabilität gegenüber Einzelinteressen und Manipulations- oder Usurpationsversuchen.
Projektgeschichte
Geboren am Nachmittag des Donnerstags, 22. Oktober 2009, verbreitete sich das Phänomen über die nächsten vier Tage (Wocheende und Feiertag)explosionsartig, wuchs auf hunderttausend unibrennt-Menschen in Hörsälen und online an und wurde von der Medienlandschaft mit einem gleichlautenden "Unibrennt!" markiert. Die darauf folgenden Tage sind geprägt von rasantem Wachstum und Ausdifferenzierung nach Innen und ndach Außen. Drei Wochen nach der Emergenz des Phänomens wird erstmals von einem Flächenbrand gesprochen, die ‚digital community‘ hat sich auf den deutschsprachigen Raum ausgebreitet.
Selbst wenn man die spontane Emergenz des unibrennt Phänomens keine konkreten Eltern zuordnen kann, so ist sie doch vorallem auf dem Boden der folgenden drei Bedingungen gewachsen:
1. Die grundlegende hochschulpolitische Situation:
Nach dem neoliberal ausgerichteten Umbau der Universitäten ist das System kollabiert, die Studienbedingungen sind unmöglich und das Bologna-System als gescheitert anzusehen. Die unhaltbaren Zustände waren weder für HochschülerInnenschaft, noch für die Universitäten selbst mehr beeinflussbar, ein konstruktiver Dialog wurde vom Ministerium untergraben und das internationale Bologna-Fiasko schrie lauthals nach Besserung.
2. Der Zeitpunkt der Internetgeschichte:
Hybrider Raum, Zeit, Gruppen, Massenmedien und Beteiligungsformen übergreifender Netzwerke ermöglichen, dass unibrennt von Beginn an auch eine ,digital community‘ ist und sich selbst parallel rund um die besetzten Hörsäle und im Netz organisieren kann. Die Plattformen und Techniken des web2.0 sind ausreichend bekannt, das nötige mobile Equipment ausreichend verbreitet, um noch vor den ersten Minuten des Besetzungsbeschlusses Nachrichten von den Geschehnissen an die Plattformen und in die Netzwerke gehen zu lassen. Etablierte web2.0 communities und kleinere Netzwerkstrukturen – persönliche sowie Netzbekanntschaften verkürzen Organisation und Selbstorganisation und gliedern in unglaublicher Geschwindigkeit Kompetenzen und Ressourcen in die Bewegung und ,digital community‘ ein.
3. Widerstandskultur und Malen-nach-Zahlen:
Basis für das Ereignis war auch der von der Akademie der Bildenden Künste organisierte und inszenierte Protest, der – zwei Tage vor dem 22. Oktober 2009 – bereits eine Homepage, ein Sujet, einen Slogan erschaffen und die Probleme der Akademie visualisiert und leicht verständlich auf den Punkt bringt. Einen Tag nachdem die Massenmedien erstmals diesen Protest wahrnehmen wird auch für die Universität Wien eine Demonstration angemeldet.
Die Formation der #unibrennt ,digital community‘
Der Demonstrationszug erreicht am 22. Oktober 2009 das Audimax und beschließt die Besetzung. Die ersten Nachrichten gehen über twitter, aber auch via sms, email, Mobiltelefon und über facebook-Konten nach draußen und werden weiter kommuniziert. Rasch kommt von draußen lebensnotwendiges Material, dabei auch technisches Equipment. Parallel dazu beginnen die Vernetzungen und Diskussionen der SympatisantInnen und GegnerInnen im Netz. Hashtags für die Besetzung beginnen sich durchzusetzen (#audimax, #unsereuni, #unibrennt). Im Raum neben dem Audimax wird ein Medienzentrum eingerichtet, eine Stunde nach dem Besetzungsbeschluss ist eine Fanpage eingerichtet, die zu einem bleibenden Brennpunkt der Bewegung werden soll….
