Inhalte & Forderungen Ag
From Unsereuni
Die Inhalte & Forderungen Ag will sich mit den bisherigen Forderungen und Inhalten der unibrennt Bewegung weiter auseinandersetzen. Ausgehend von dem bisherigen allgemeinen Forderungskatalog, dem in Linz im Oktober 2010 ausgearbeiteten Forderungskatalog, die beim Plenum am 9.11.2010 in Wien besprochen und abgestimmt wurden, soll an österreichweiten Forderungen weiter (mit)gearbeitet werden. Ziel ist vor allem eine Ausformulierung und Präzisierung der Forderungen.
[edit] #unibrennt – Forderungskatalog
Präambel
Wir haben uns dazu entschieden im Folgenden nur jene Forderungen zu berücksichtigen, die sich direkt auf den Hochschulsektor beziehen. Damit wollen wir möglichst klar darlegen, was aus Sicht von uns Studierenden an unseren Hochschulen reformiert werden muss. Nichtsdestotrotz sind wir uns bewusst, dass der Hochschulsektor kein isolierter gesellschaftlicher Bereich ist und wir Studierende uns deshalb logischerweise auch in gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse und Prozessen bewegen beziehungsweise problematische Entwicklungen an den Hochschulen in der Regel in gesamtgesellschftliche Entwicklungen eingebettet sind. Diese explizite Verbindung der Entwicklungen im Hochschulsektor mit gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen und Prozessen sozialer, politischer, kultureller und ökonomischer Natur ist für uns essentiell.
Um eine gesamtgesellschaftliche Kritik möglich zu machen, müssen wir in einem ersten Schritt die Probleme an unserer Basis, den Hochschulen, benennen. Insofern sind die hochschulspezifischen Forderungen als analytische Problemdifferenzierung nur der Anfang einer Kritik an gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen, Prozessen und Entwicklungen.
Darüber hinaus definieren wir uns dezidiert als antisexistisch, antirassistisch, antifaschistisch und sprechen uns gegen jede Form von Antisemitismus aus.
[Dieser Entwurf hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann/soll im #unibrennt Plenum zur Diskussion gestellt werden. Zu beachten ist aber, dass, wenn an der einen oder anderen Stelle nicht jeder mögliche spezielle Punkt bzw. jede mögliche Einzelforderung erwähnt wird, dies zum Zwecke eines prägnanten und pointierten Forderungskatalogs geschehen ist, der beispielsweise auf der homepage einen guten Überblick über die Forderungen von #unibrennt geben soll]
1. Staatliche Ausfinanzierung der Hochschulen
Wir fordern ein besseres Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden und den Ausbau der Hochschulen bei gleichzeitig bessere Ausstattung der Räumlichkeiten: Schluss mit überfüllten Hörsälen! Schluss mit der Platznot an den österreichischen Hochschulen! Zusätzlich müssen ausreichend Kurse für Lehrveranstaltungen mit beschränkter TeilnehmerInnenzahl zur Verfügung gestellt werden. Die staatliche Ausfinanzierung der Hochschulen muss die Lehre und die Forschung betreffen, weshalb die im Belastungspaket der Regierung Faymann/Pröll beschlossenen Kürzungen in der Forschung unakzeptabel sind.
Deshalb fordern wir eine sofortige Aufstockung der Ausgaben im tertiären Bildungssektor auf 2% des BIPs.
2. Freier und offener Hochschulzugang
Ein freier und offener Hochschulzugang bedeutet für uns die Absage an monetäre Zugangsbeschränkungen (z.B.: Studiengebühren), weil diese, wie uns zahlreiche Studien beweisen, nie sozial gerecht gestaltbar sind. Zweitens dürfen Bachelor- und Masterstudien bzw. PhD-Programme nicht beschränkt werden.
Wir fordern exzellente Massenuniversitäten statt dem Trend zur Elitebildung. Der freie Zugang zu Wissen muss erhalten werden, um eine sozial, politisch und ökonomisch gerechte Gesellschaft zu erreichen. Ein freier und offener Hochschulzugang muss auch den problemlosen Wechsel zwischen Studien und Hochschulen innerhalb Europas einschließen.
3. Abschaffung der Studiengebühren
Entgegen dem medial vermittelten Bild sind die Studiengebühren in Österreich nicht abgeschafft worden. Studierende aus Ländern außerhalb der Europäischen Union und Studierende, die die viel zu kurz angesetzte Mindeststudiendauer überschritten haben, müssen immer noch Studiengebühren zahlen. Das ist völlig unsozial, weil es besonders jene Studierenden trifft, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft für ihr Studium arbeiten müssen und deshalb logischerweise unverschuldet länger brauchen.
4. Demokratisierung der Hochschulen
Wir fordern die gleichberechtigte Einbeziehung aller vier Kurien (Studierende, Mittelbau, ProfessorInnen und allgemeines Universitätspersonal) in die Gremien und Entscheidungen an den Hochschulen. Dies schließt die Rückverlagerung der Entscheidungskompetenzen vom Rektorat und dem Unirat in demokratische Strukturen (z.B.: Senat) mit ein. Wir lehnen eine Entscheidungsgewalt für den Universitätsrat aufgrund demokratiepolitischer Bedenken entschieden ab. Das Rektorat soll lediglich ein Repräsentationsorgan sein.
Um bisherige Fehlentwicklungen zu korrigieren, fordern wir eine kompromisslose Transparenz auf allen Ebenen (finanzielle, personelle und Studienangelegenheiten). Kontrollmechanismen wie Leistungsvereinbarungen und Wissensbilanzen sind sofort abzuschaffen, während die Direktwahl der ÖH-Bundesvertretung wieder- und die demokratische Rektoratswahl einzuführen ist. Aufgrund demokratiepolitischer Bedenken bestehen wir darauf, dass e-Voting bei ÖH-Wahlen nicht zum Einsatz kommen darf.
Des Weiteren fordern wir die direkte Einbindung der Studienvertretungen bei Gesetzesentwürfen und die Beteiligung aller Universitätsangehörigen an der Budgeterstellung und Gebarung der Universität. All diese Forderungen stehen im Kontext einer anzustrebenden Wiederherstellung und Ausweitung der universitären Selbstverwaltung und Mitbestimmung.
5. Für kritische Wissenschaft in Bildung und Ausbildung
Wir fordern eine freie Gestaltung des Studiums ohne Voraussetzungsketten und damit ein selbstbestimmtes Studieren. Dazu muss eine vielfältige Auswahl an Lehrveranstaltungen und freien Wahlfächern vorhanden sein, um die individuelle Vertiefung und auch die interdisziplinäre Schwerpunktsetzung zu ermöglichen, anstatt in vorgegebene Pakete (Module, Erweiterungscurricula) gezwängt zu werden. Wir sprechen uns gegen eine Vielzahl an weiteren systematischen Hürden im Studium aus: z.B.: intransparente Anmeldesysteme (univis), zu kurze Übergangsfristen bei Studienplanumstellungen wie jene bei den auslaufenden Diplomstudienplänen bzw. allgemein die Überarbeitung neuer Studienpläne mit Einbindung der Studierenden.
Wir fordern eine klare Differenzierung der Aufgaben von Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen. Wir sehen Bildung und Ausbildung nicht als Gegensatz. Bildung ist für uns kein Selbstzweck und kein Elfenbeinturm und Ausbildung soll keine kritiklose Aneignung von Fähigkeiten und Wissen zum Zwecke der ökonomischen Verwertbarkeit sein. Im Hochschulsektor muss beides möglich sein: Kritische Bildung und kritische Ausbildung, wobei Zweiteres aufgrund der Verflechtungen mit der Privatwirtschaft im Fachhochschulbereich anzusiedeln ist. Entscheidend ist für uns, dass die Begriffe Bildung und Ausbildung in einer öffentlichen Debatte eingehend diskutiert werden sollten und in beiden Fällen gesellschaftliche Verhältnisse kritisch reflektiert werden sollten.
Wir sehen die kritische Wissenschaft in Bildung und Ausbildung durch den „Bologna-Prozess“ akut gefährdet, weshalb wir eine grundsätzliche Bestandsaufnahme sowie Diskussion über die folgen und möglichen Korrekturen des „Bologna-Prozesses“ fordern, bei der die Studierenden dezidiert mit eingebunden werden.
Für eine kritische Wissenschaft in Bildung und Ausbildung ist es auch essentiell fortwährend studentisch selbstbestimmte Räume zu haben. An Österreichs Hochschulen gibt es aber keine Räumlichkeiten, in denen ohne Konsumzwang Platz zum Lernen, sich Austauschen, Diskutieren, Organisieren oder Ausruhen ist.
6. Keine Diskriminierung im Bildungssystem
Wir fordern die bedingungslose Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes und eine Frauenquote in allen Arbeitsbereichen des Bildungswesens auf allen Ebenen, die bitter nötig ist, wie man beispielsweise anhand der ausschließlich männlich besetzten Rektorenkonferenz deutlich sehen kann. Wir fordern den barrierefreien Zugang zu allen Gebäuden der österreichischen Hochschulen und zu den für die jeweiligen Studien benötigten Materialien. Zusätzlich fordern wir die rechtliche Gleichstellung von Studierenden anderer Staaten (siehe Studiengebühren).
7. Freie Lehre und Forschung
In dieser Forderung orientieren wir uns ganz am Artikel 17 des Staatsgrundgesetzes der Republik Österreich: „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“. Deshalb müssen Lehre und Forschung von ökonomischen Interessen unabhängig sein. Lehre und Forschung darf sich thematisch und inhaltlich nicht der ökonomischen Verwertbarkeit orientieren.
Darüber hinaus fordern wir ausreichende Mittel für die Grundlagenforschung. Die Auslagerung von Aufgaben der Hochschulen in die Privatwirtschaft widerspricht der Freiheit von Forschung und Lehre, weil damit notgedrungen die (demokratische) Kontrolle über das jeweilige Aufgabenfeld verloren geht.
8. Keine Prekarisierung in Lehre und Forschung
Wir fordern die sofortige Abschaffung aller prekären Dienstverhältnisse und Arbeitsbedingungen für Lehrende, Forschende und für das allgemeine Hochschulpersonal. Die bisherigen Arbeitsverträge drängen besagte Gruppen in sozial prekäre Lagen und mindern deshalb auch beispielsweise die Qualität von Forschung und Lehre. Wir von #unibrennt fordern auch mehr und fair bezahlte TutorInnen und AssistentInnen.
Des Weiteren sprechen wir uns gegen die Fehlentwicklung der letzten Jahre aus, der zufolge immer mehr private Sicherheitsfirmen beauftragt wurden, Securites für uns nicht ersichtliche Zwecke auf dem Gelände österreichische Hochschulen patrouillieren zu lassen. Diese arbeiten in der Regel zu menschenunwürdigen Stundenlöhnen und befinden sich somit selbst in prekären Arbeitsverhältnissen. Zusätzlich fallen diese Securities des Öfteren durch rassistische und sexistische Bemerkungen auf.
In diesem Kontext steht auch unsere Forderung nach der Entfernung aller Überwachungskameras auf dem Gelände österreichischer Hochschulen. Studierenden sollen nicht überwacht und ihnen soll nicht von vorherein misstraut werden.
[edit] Treffen
erstes Treffen: So, 21.11.2010, 18 Uhr in der Akademie der Bildenden Künste, Dezentrale (wenn du beim Haupteingang hinein gehtst, links und vor den Stiegen wieder rechts)