Stellungnahme der AG kritische Raumplanung (TU Wien) zur schweizer Volksabstimmung über ein Minarettverbot, insbesondere zu Innenministerin Fekters Reaktion darauf.
Raumplanung ist kein Mittel zur Durchsetzung von Diskriminierung
Am Sonntag, 29.11.2009, wurde in der Schweiz eine Volksabstimmung über ein Bauverbot von Minaretten abgehalten. Eine Mehrheit sprach sich für das Verbot aus. Ausgegangen war die Initiative zur Volksabstimmung von der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP). Ihr gelang es, islamfeindliche und rassistische Vorurteile der BürgerInnen in einen Akt anscheinend demokratischer Willensbildung umzumünzen. Es ist allerdings undemokratisch, die Freiheiten und Rechte von Minderheiten in dieser Weise einzuschränken.
Als Reaktion auf das Schweizer Votum wurde in Österreich betont, dass hier Religionsfreiheit herrsche, Innenministerin Fekter will sich das Resultat „ansehen“, das BZÖ will ein bundesweites Verbot von Minaretten über die Raumordnungsgesetze, die FPÖ sieht eine „Vorbildwirkung“.
Innenministerin Fekter von der ÖVP wird in einem Artikel in der Presse vom 30.11.2009 sinngemäß mit dem Satz zitiert, dass „die Entscheidung, inwieweit Minarette ins Landschaftsbild passen, der Raumplanung obliege”1 und diese Entscheidung falle damit in Österreich in die Kompetenz der Bundesländer.
Die Entscheidung, ob ein Minarett in Österreich gebaut werden darf, wird also auf eine Frage des Landschaftsbildes reduziert. Die Raumplanung solle diese Entscheidung treffen. So weit, so schlecht.
Hinter diesen Forderungen stehen aber andere politische Absichten. Es geht nicht um Landschaftsbilder sondern um die Erzeugung von Hetze gegen eine Religion, um die Diskriminierung von Minderheiten, um die versuchte gesellschaftliche Ausgrenzung aller Muslime, um das Schüren von Vorurteilen, um Islamfeindlichkeit als Form von Rassismus.
Es ist auch verwunderlich, dass die Empörung über die Schweizer WählerInnen in Österreich vergessen lässt, dass unsere schöne Alpenrepublik die Vorreiterin bei der Verhinderung von Minaretten ist. In Vorarlberg und in Kärnten wurden bereits 2008 mit einer Änderung des Ortsbildpflegegesetzes und des Bau- und Raumordnungsgesetzes Bauverbote für Minarette und Moscheen erlassen. In Kärnten auf Antrieb des BZÖ, in Vorarlberg übernahm die ÖVP die Initiative. In Niederösterreich brachte die FPÖ am 03.12.2009 im Landtag einen Antrag zur Änderung der niederösterreichischen Bauordnung ein, mit der Absicht einer Neuregelung hinsichtlich “Bauten von außergewöhnlicher Architektur oder Größe sowie publikumsintensiven Veranstaltungsstätten”2. Das Wort Minarett kommt in dem Antrag nicht vor, die Absicht ist aber klar.
Die Instrumente der Raumplanung und Raum/-bauordnung werden hier als Mittel zur Durchsetzung ausgrenzender und aufhetzender Politik missbraucht. Was aber soll Raumplanung/-ordnung eigentlich sein?: die vorausschauende, unterschiedliche Interessen (d.h. auch die Interessen von gesellschaftlichen Minderheiten) wahrende Festlegung von Art und Maß der Nutzungen in einem abgegrenzten Gebiet.
Die Arbeitsgruppe Kritische Raumplanung will eindeutig klarstellen, dass es NICHT die Aufgabe der Raumplanung/-ordnung ist, unter dem Deckmantel von »Landschaftsschutz« oder »Ortsbildpflege« Maßnahmen zur Verhinderung von religiösen Bauwerken festzulegen und damit Erfüllungsgehilfe jener politischen Parteien zu sein, denen es eben nicht um »Landschaftsschutz«, sondern um Diskriminierung und islamfeindliche Hetze geht.
Wir fordern alle RaumplanerInnen dazu auf, keine ErfüllungsgehilfInnen für derartige Maßnahmen zu sein und zu hinterfragen, ob eine derartige Politik wirklich zukunftsträchtig ist. Weiters sind die Zivilgesellschaft und die Politik aufgefordert, in einen Dialog mit MuslimInnen und anderen Minderheiten zu treten, anstatt Islamfeindlichkeit hinter Gesetzen zur „Ortsbildpflege“ zu verstecken. Wir wehren uns gegen das gegenwärtige menschenverachtende Denken in der Politik und rufen dazu auf, ein klares Zugeständnis zur Vielfalt zu machen!
Arbeitsgruppe Kritische Raumplanung
Wien im Dezember 2009
Kontakt:
kritische_raumplanung[at]gmx.at
info.tubrennt[at]gmail.com










15.12.2009 um %H:%M
Hey leute! Wir sollen uns in erster Linie auf die Bildung und unsere Forderungen konzentrieren!!!! Was ein Thema wie Minarettverbot, über das man sehr wohl auch diskutiern kann, auf unsere.UNI- HP zu suchen hat, ist mir ein Rätsel.
Stick to the message!
15.12.2009 um %H:%M
bin sehr froh über diese intitiative. danke an die AG.
finde genau das ist eine aufgabe von universitäten bzw. studierenden.
förderung zur mündigkeit ist u.a. ein ziel der unsereuni-hp, oder nicht?
16.12.2009 um %H:%M
kann mich deiner anschließen!!! und finde dass Minaretten architektonisch ein schönes bild in die Stadt beifügt.
17.12.2009 um %H:%M
gehts euch noch gut?
17.12.2009 um %H:%M
Ehrlich gesagt nervt dieses ständige unreflektierte Gelaber von wegen "Was hat das mit Bildung zu tun" bzw. "Wir sollten und für Bildung engagieren und nicht alles mögliche Andere" gehörig. Die, die allen Ernstes bei gesellschaftspolitischen Fragen "Was hat das mit Bildung" herum schreien (wie vor einiger Zeit bei einer Diskussion um Rassismus), haben anscheinend das Wort "Bildung" noch nicht richtig begriffen…
17.12.2009 um %H:%M
sorry anna – aber kann dir hier absolut nicht zustimmen! genau hier ist es wieder passiert, dass man im zuge eines gesprächs/verhandlung/bewegung vom 100. ins 1000. kommt… und was dann meistens passiert ist, dass sich das ganzer verläuft und absolut nichts herauskommt – bei keinem der punkte…
daher sollte sich diese plattform auf das jetztige kernproblem beschränken – dies ist ohnehin komplex genug.
möglichkeiten die welt zu verbessern wird es immer geben – und auch immer wieder weit passendere plattformen für entsprechende unterstützungs-statements. um aber den selbstgefälligen ton von anna ("die haben anscheinend das wort bildung noch nicht richtig verstanden") ein wenig in frage zu stellen: es ist EXTREM leicht kritisch zu schreiben – aber danach zu handeln…. das ist ein anderes kapitel. hast du deine offensichtlich reflektierte weltanschauung schon mal in taten umgesetzt? nur so aus interesse…..
17.12.2009 um %H:%M
ihr seits alles volldeppen fangst al an zum studieren und oder arbeiten ihr sozialpostkommunistischen träumer
17.12.2009 um %H:%M
sorry aber Minarette passen einfach nicht in unseren Kulturkreis. Wenn man überall die Symbole anderen Religionen braucht, müsste man zu allen Gipfelkreuzen einen Halbmond dazugeben, und die anderen anerkannten Religionsgemeinschaften dürften dann auch an der Spitze ihre Symbol anbringen. Das wird sich auch gar nicht ausgehn, da sich jede Religionsgemeinschaft diskriminiert fühlen wird, welche den besseren Standort dann hat. Absurd. Es gibt zwar Religionsfreiheit, aber trotz allem ist die Mehrheit noch immer Angehöriger einer christlichen Religion und das sollte auch akzeptiert werden!
Weiters sprechen die in ihren Moscheen in einer Fremdsprache. Wie soll es da Religionsfreiheit geben, wenn ein Österreicher ja nicht einmal die Chance hat, das ganze sich in Deutsch anzuhören und diese Religion somit auszuüben?
Außerdem hat das ganze NICHTS mit einer Bildungsdebatte zu tun. Missbraucht da bitte nicht den UNSEREUNI-Webblog für Werbung der AG!!!!!!!!!! Da gehts NUR UM FRAGEN BEZOGEN AUF DIE UNI UND WIE BILDUNG AUF UNIS AUSCHAUEN SOLL, aber nicht um Gesellschaftsthemen und allerlei, was DA nur zu Spam führt!!!
18.12.2009 um %H:%M
Die AGler spinnen ja!
zum Glück ist die Fachschaftsliste noch immer die stärkste Fraktion auf der TU Wien.
18.12.2009 um %H:%M
nur zur allgemeinen Info und zum besseren Verständnis.
Die Arbeitsgruppe Kritische Raumplanung hat sich nicht zwecks oder aufgrund der Uni Proteste gegründet, sondern besteht schon seit dem Sommersemester 2009 und bietet eine Plafform, um raumplanungsrelevante Themen zu hinterfragen und kritisch zu beleuchten.
Die Stellungnahme wurde in keiner Verbindung zu den Studentenprotesten verfasst.
und ich finde es gut, wenn so etwas auf einer breiteren universitären Plattform bekanntgegeben wird.
18.12.2009 um %H:%M
Auch ich bin sehr froh über diese Intitiative. Es ist nicht nur eine Aufgabe von Universitäten bzw. Studierenden sich kritisch mit Politik auseinander zu setzen. Es ist für RaumplanerInnen, auch in Ausbildung, eine sehr konkrete Frage wofür sie sich hergeben, z.B.: Minderheiten zu diskriminieren für die Fekters und Straches.
Kürzlich gabs ne Karrikatur: Kaputte Schule im Bild und der Direktor sagt: "Oh Gott, es regnet durchs Dach – wir brauchen sofort eine Kopftuchdebatte!" Das ist rechte Bildungspolitik;)
10.05.2010 um %H:%M
Die Minarettinitiative ist schon recht – denn manchmal treiben es manche wirklich zu weit.
Sobald man hört, dass 90% aller türkisch-islamischen Kulturvereine z.b. Ehrenmorde, Steinigungen,
Terrorismus etc nicht nur entschieden öffentlich verurteilen und nachweislich auch in der Predigt
für die eigenen Gläubigen verurteilen und anstatt der "Kairoer Deklaration der Menschenrechte"
die UN-Deklaration der Menschenrechte als universell gültig erachten kann man sagen:
die Zeit ist Reif – baut eure Minarette.
Denn der Aufschrei ist stets gross bei Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit – aber
es muss genau so einen Aufschrei bei Missachtung der Menschenrechte und Frauenrechte geben
ohne dass es dann "politisch nicht korrekt" ist.